es geht ums Ganze

Im medialen Dauerregen wird unsere Aufmerksamkeit auf Migration, Konflikte, Klimawandel und Kriminalitätsraten gelenkt. Überforderung, Angst und Ohnmacht werden zu Begleitern vieler Menschen, Verzweiflung zerstört die letzten Hoffnungen, Verbundenheit und Zuversicht sind nicht erfahrbare Begrifflichkeiten unbekannter Lebenswelten.

Da und dort tauchen bereits schemenhaft selbsternannte Retter auf, welche vollkommen von Moral und Intelligenz befreit versuchen, Macht zu ergreifen.

Leben wir aber nicht unter einem ganz anderen kulturellen und weltverbundenen Himmel als uns permanent erzählt wird?
Hans Peter Dürr, der grandiose Vertreter der Holistischen Physik, warnte immer davor, der Materie zu viel Bedeutung zu geben. Leben ist fundamentaler als die starren Elemente, das Materielle.

Aus einer Ahnung, die immer ganz ist und bleibt, entwirft sich das Universum in jedem Augenblick neu und wir Menschen sind fähig, bewusst Gedanken aus dieser Ahnung heraus zu lösen und sie zu realisieren.

Zukunft muss nicht die noch unbekannte Vergangenheit sein, aber es kommt auf uns Menschen an, wie wir sie gestalten. Wir können mit der Zukunft etwas tun, was es vorher noch nicht gegeben hat. Vielleicht ist unser Verstand ja nur dem Überleben dienlich aber nicht zum Weltverstehen geeignet, da die wirkliche Struktur der Welt nicht greifbar ist.

Wirklichkeit ist also Potentialität und wir sind dazu befähigt, diese zu leben.

Konstantin Wecker schrieb: …es geht ums Tun und nicht ums Siegen…

in diesem Sinne: von allem sein


neue Wege der Bildung

In unseren wesentlichen Bildungsjahren, von der Zeugung bis zum Ende der Adoleszenz, machen wir jene prägenden Erfahrungen, die unsere Persönlichkeit und unsere Intelligenz heranreifen lassen. Den Abschluss dieser, unserer wichtigsten Jahre, markiert ein weiterer Übergang, der vom Jugendlichen zum Erwachsenen aber auch, von der Herkunft in die Zukunft.

Die Bedeutung dieser ersten Jahre, die Qualität unserer Schulen und Kindergärten erkennen wir nicht daran in dem wir fragen, wie unsere Kinder diese Zeit überstanden haben. Vielmehr sollten wir uns fragen, wer sie in diesen Schuljahren geworden sind.

Wenn im Laufe unserer Bildungsjahre nichts Auffälliges passiert ist, so mag das ein Zeichen für eine relativ angenehme Zeit sein, es sagt jedoch nicht aus, dass es eine Zeit der Potentialentfaltung, der erfolgreichen Suche nach Lebenssinn, der Entwicklung unserer Persönlichkeit und unserer Intelligenz gewesen ist.

Aber genau das sollte sie sein, genau dafür sollten Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen sorge tragen und Verantwortung übernehmen. Zukunft braucht Herkunft und die Zukunft des Kindes ist die Zukunft unserer Gesellschaft.

Wir brauchen neue Wege der Bildung und dies beginnt bei uns Erwachsenen und damit, dass wir es schaffen, Bildung neu zu denken, uns selbst also auf den neuen Weg begeben.

von allem sein !


geteilte Welt

Wahlen in vielen Ländern Europas zeigen auf, dass sich immer mehr Menschen jenen politischen Bewegungen anschließen, die ihnen vor allem eines versprechen: sie von ihren Ängsten zu befreien.

Diese Ängste zeigen die Entfremdung der westlichen Gesellschaften auf und den Verlust von Lebenssicherheit. Schon in der Zeit Maria Montessoris kannte man diese Phänomene, die Politik gab damals schon vor Lösungen anzubieten, welche keine waren.

Längst wissen wir, worauf diese Ängste gründen und dass der einzige Weg aus der Entfremdung nur in einer wachsenden Verbundenheit liegen kann.

Mit dem Wunsch nach Verbundenheit und gleichzeitigem „über uns hinauswachsen“ kommen wir auf die Welt. Stabile Bindung und ganzheitliche Bildung sind die notwendigen Bestandteile dieser Wunscherfüllung.

„von allem sein“, der Studienlehrgang zu vernetztem Denken und Lehren ermöglicht den Teilnehmenden, diese Verbundenheit wieder zu kultivieren und den Kindern dieser Welt zurück zu geben.

Schreiben Sie sich zum ersten Montessori-Studienlehrgang „von allem sein“ ein, der im Sommer 2018 beginnt. Laden Sie andere Menschen ein, den Weg zur Verbundenheit zu gehen. Anmeldeschluss ist der 30. November 2017.

Vernetzt denken – vernetzt lehren – die Erhöhung des Herkömmlichen.
Neue Wege des Lernens für eine Welt von morgen.


Das mit der Mathematik ist nicht so meines…

Die Kinder der Dorfschule Montessorihaus wählen ihre Arbeiten aus ihrem ganz persönlichen Pensenbuch, einer Sammlung an möglichen Arbeiten. Dort sind die Arbeiten nach Fachrichtungen gegliedert – im klassischen Sinn sind das Mathematik, Sprache, Geometrie, Geographie etc.

Was passiert aber, wenn ein Kind NIE eine Arbeit aus dem Bereich Mathematik wählt?

Zum einen kommt das nicht vor, viel zu präsent sind die einzelnen Fachbereiche in den Klassenräumen, als dass sich ein Kind diesen entziehen könnte – das ist dann wohl die vorbereitete Umgebung.
Zum anderen ist das gar nicht schlimm. Aber nicht, weil wir die einzelnen Fachrichtungen nach Prioritäten gereiht haben, sondern aus dem einfachen Grund, dass es keine Trennung der Fachrichtungen gibt. Wie sagt man so schön: „Alles ist EINS.

In den Räumen der Dorfschule nennt sich diese Sichtweise „Vernetztes Denken“, alles Erfahrene wird in Beziehung gesetzt, mit anderen Inhalten verbunden und als Ganzes wahrgenommen.

Das ist sehr theoretisch und für Außenstehende meist schwer vorzustellen. In der Praxis kann das so aussehen, dass ausgehend von der Pensenbucharbeit aus dem Bereich Geographie die Arbeit „Studium Afrika“ gewählt wird.

Je nach Vorwissen der Kinder wird diese Arbeit ganz persönlich gestaltet, folgende Inhalte können sich darin wiederfinden:

  • natürlich das Studium der geographischen Gegebenheiten mit den Gebirgszügen, Flüssen, Stillgewässern, Wüsten, Vulkanen etc.
  • darüber hinaus die politische Gliederung des Gebietes
  • ein Überblick über mögliche Zonierungen des Kontinentes hinsichtlich Klimazonen und Landschaftstypen inklusive deren spezifischer Flora und Fauna
  • die Geschichte des Kontinentes aus Sicht der Plattentektonik und auch aus gesellschaftlichen Perspektiven (Politik, Sprache, Religion, Geschichte, Kulturen)
  • intensivere Studien der vorherrschenden biologischen Gegebenheiten (Botanik und Zoologie)
  • Arbeiten mit Klimadiagrammen, Darstellung der Meeresströmungen
  • Ausarbeiten von Statistiken, Durchschnitten, Bevölkerungsdichten, Analysen…
  • bitte führen Sie diese Liste selbst in Gedanken weiter

Eine Trennung der Fachbereiche ist nicht möglich, nicht anzustreben und schon gar nicht sinnvoll. Und dieser Sinn soll immer im Zentrum des Tuns stehen.
Eine Vernetzung von Mathematik, Sprache, Geometrie, Geographie, Klimatologie, Limnologie, Geologie, Geschichte, Zoologie, Botanik etc. ist absolut notwendig, ist wertvoll, ist wunderbar.

Wunderbar. So soll es sein!


Tausendsassa

„Du kannst nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen“. Sicher nicht, deshalb tanzen wir gleich auf mehreren zur selben Zeit. Wie das geht? Nun ja … – und um es mit einem weiteren Sprichwort zu sagen: „Übung macht den Meister.“

Die Spielräume sind in den letzten Jahren gewachsen, enorm. Angefangen hat alles mit der Idee einer Montessorischule. Daraus wurde in den vergangenen Jahren mehr, viel mehr. Aus einem Diplomkurs wurden mittlerweile mehrere und sogar ein internationaler Studienlehrgang. Die Montessorischule wurde zur einzigen Montessori-Privatschule Österreichs, welche vom ersten Kindergartenjahr bis hin zur Matura führt. Aus einem kleinen – aber damals schon feinen – Lehrerteam wurde eine illustre Runde aus wunderbaren Begleitern. Für die Zeit vor der Dorfschule hat sich mit dein Babyräumen ein eigenständiges Konzept entwickelt, welches werdenden und frisch gebackenen Eltern mit Rat und Tat beiseite steht.

Also sind wir mittlerweile auf vielen Hochzeiten unterwegs. Immer. Und das auf höchstem Niveau. Wir tanzen wie die Profis, und zwar auf diesen Hochzeiten:

www.spielraeume.org
Der Verein Spielräume ist für alles verantwortlich (Einer muss es ja sein.), in erster Linie nunmehr  für die Diplomausbildungen.

www.dorfschule-montessorihaus.org
Die Seite der Dorfschule Montessorihaus mit angeschlossenem Kinderhaus ist die erste Anlaufstelle für die Schule.

www.babyraeume.org
Werdende Eltern und Jungeltern können sich mit den Babyräumen verbinden, hier findet ihr Seminare zur Schwangerschaft, Eltern-Kind-Gruppen und hilfreiche Blogeinträge.

www.biolog.world
Aus den Diplomausbildungen ist ein Studienlehrgang gewachsen, der bestausgebildete Lehrer für bestausgebildete Schüler nach Idee der Montessoripädagogik zum Ziel hat.

Tanzt mit uns!
Tanzt mit dem illustren Team der Spielräume auf allen Hochzeiten!


Vernetzt denken, vernetzt lehren

Wir kommen mit dem Wunsch auf die Welt, verbunden zu sein und gleichzeitig jeden Tag über uns hinauszuwachsen. Seinem inneren Bauplan folgend bedeutet dies, sich in selbsttätiger Art und Weise immer tiefgehender mit der Welt in Beziehung zu setzen. Dies wirft ständig neue Fragen auf, Fragen die uns angehen, die uns bedrängen und uns anziehen.

Wenn man all diese Fragen lebt, lebt man allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages, in die Antworten hinein, meinte Rainer Maria Rilke und skizzierte damit einen Menschen, der sich auf dem Weg zu verbundenem Wissens befindet. „Der neue Mensch“ wäre dabei das Ziel, meinte Maria Montessori.

Damit Kinder und Jugendliche ihrem inneren Bauplan folgend, verbundenes Wissen erlangen und Herkömmliches erhöhen können, brauchen sie Menschen, an denen sie reifen können. Menschen, die selbst verbundenes Wissen erlangt haben und menschliche Entwicklung aus der Perspektive einer tiefgehenden Weltbeziehung begleiten.


Frühlingsmetamorphosen

„Für einen Menschen beginnt ein Lebensweg „virtuell“ mit dem Entschluss von Eltern, ein Kind zu zeugen, vielleicht noch etwas früher, nämlich mit der Tradition dieser Familie, zwei Kinder zu haben oder sieben. Wir haben also auch eine kulturelle Perspektive, eine soziohistorische und familiengeschichtliche Perspektive als Hintergrund mitanzusehen. Die Matrix für eine Lebensgeschichte beginnt also früher. Und die Matrix bleibt auch weiter wirksam.“, schreibt Prof. Hilarion Petzold.

Wir sind somit von Anfang an kulturelle Wesen, werden zu Menschen in gerade eben diesen kulturellen Perspektiven in denen wir zu Menschen werden. Dieses Werden an den „Du’s“ unserer Umgebung ist also geprägt von der Kultur in die wir hineingeboren werden und -auch das ist hinlänglich bekannt- auch abhängig davon, wie sehr es den wichtigen Bezugspersonen unserer Umgebung gelingt, uns willkommen zu heißen. Haben Mütter über längere Phasen der Schwangerschaft Schwierigkeiten, das heranwachsende Kind im Mutterleib anzunehmen, führt das zu Entwicklungsproblemen.

Mit der Geburt bringt das Neugeborene den Wunsch mit, in seinen Empfindungen und Bedürfnissen wahrgenommen und verstanden zu werden. Gelingt es dem Kind sich nach der Abnabelung mit sicherheitsgebenden Bezugspersonen -allen voran der Mutter- zu verbinden, weicht die Urangst einem stabilen Vertrauen. Als kulturelles Wesen beginnen für das Kind nun die wesentlichsten Phasen der Entwicklung in der es alle bedeutsamen Elemente der umgebenden Kultur -von der Sprache bis hin zu traditionellen Verhaltensweisen- zu absorbieren und in sein Wesen zu integrieren. Je willkommener, angenommener und wahrgenommener sich ein Kind in diesen Jahren fühlt, umso erfolgreicher und differenzierter wird diese hochsensible Zeit der Entwicklung gelingen.

Dem heranwachsenden Kind gelingt es innerhalb der ersten Lebensjahre alle bedeutsamen kulturellen Phänomene zu lernen und zu perfektionieren. Auch für die Eltern und nahe Bezugspersonen bedeutet dies, mit neuen und bisher unbekannten Gefühlen, Herausforderungen, Ängsten umgehen zu lernen und sie in ihr Leben zu integrieren. Je liebevoller und angstfreier dieses „willkommen heißen“ des neuen Erdenbürgers, aber auch all der neuen Erfahrungen welche die Erwachsenen in seiner Umgebung mit ihm teilen, gelingt, desto vielfältiger und erfolgreicher gestaltet sich dieses „aneinander“ wachsen. Je mehr Sicherheit und stabile Beziehungen dieses Werden gestalten, desto mehr führt die Entwicklung das Kind in seine Einzigartigkeit und in eine Freiheit der Gedanken.

Wir Erwachsenen haben die wunderbare Aufgabe, die Metamorphosen der Kinder in ihren wichtigsten Lebensjahren zu begleiten.

In der Welt der Insekten gibt es ebenfalls Metamorphosen, ein vielfaches geboren werden. Auch ein schillernder Falter braucht zum Gelingen einen geschützten Ort, das passende Klima und die Freiheit den richtigen Moment wählen zu können. Wie bei uns Menschen benötigt der Falter eine Lebensumgebung die jener entspricht, an die er sich angepasst hat, um erfolgreich überleben zu können.

Erst wenn der Falter all seine Verwandlungen erfolgreich durchlaufen hat, entpuppt sich ein schillerndes Kleinod aus der Welt der Insekten. Zum ersten Mal erscheint dann jenes Bild, welches jede Zelle des Falters zu jeder Zeit seiner Entwicklung in sich getragen haben muss. Imago nennt man deshalb ja auch das erwachsene Insekt.

Wir Menschen entwickeln jenes Bild in den ersten Jahren nach unserer Zeugung anhand unserer Erfahrungen die wir machen. Es ist nicht so geschützt wie bei den Insekten. Das gibt uns die große Freiheit uns optimal an unser individuelles Leben und unsere Lebensumgebung anzupassen.

Ein Weg in die Freiheit also, gefährlich, aber eine spannende Reise wert…


Schreiben ist sich selber lesen

Vor einigen Tagen hatte ich wieder die Gelegenheit, ein dreijähriges Kind zu beobachten, welches in Begriff war, sich selbst das Schreiben und Lesen beizubringen.

Vertieftes Studieren, eingehende Blicke auf die bedeutsamen Symbole des eigenen Namens oder dem einer nahen Bezugsperson. Vollkommen selbstständig werden Zeichen mit Bedeutung aufgeladen und erste Worte zu Papier gebracht.

Ein bewegender Moment, der auffordert, einen Schritt zurück zu machen. Nicht zu stören, wird zum Bedürfnis.

Ich beginne mir vorzustellen, wie sich die Geschichte des Kindes weiterentwickeln wird, wie es eines Tages die Tür zur Sekundaria betreten wird und einige Jahre später die große Tür ins freie Leben.

Auch beginne ich mir vorzustellen, wie es wäre, würden alle Kinder im Kinderhaus, in unserer Schule, in unserem Land oder gar auf der Welt in dieser großen Liebe zum Leben und der eigenständigen Entwicklung erwachsen werden.

Wäre die Welt eine andere, bessere? Würde so nicht jede neue Generation das Herkömmliche erhöhen und ihm damit auch eine wahre Würde verleihen?

Ich beobachte die frühe Selbstständigkeit, die junge Freiheit und die tiefe Verbundenheit des Kindes und weiß, dass dieser junge Mensch alles werden kann und frage mich, ob er nicht auch alles sein wird.

Warum fällt es uns so schwer, natürliche Entwicklung zu zulassen, obwohl mit jedem Kind dieser innere Drang zur Entwicklung und die Liebe zur Lebendigkeit und Verwandlung neu mit auf die Welt kommen?

Wovor haben wir Angst? Sind wir selbst zu etwas gemacht worden und geben deshalb unsere Not weiter? Können wir aus Angst der natürlichen Entwicklung unserer Kinder zuwenig vertrauen, weil wir nicht zu dem geworden sind, wer wir sind? Werden deshalb soviele Menschen krank am Leben, krank in Seele und Geist?

Was treibt ein dreijähriges Kind an, sich selbst das Schreiben und Lesen beizubringen? Nein, es ist nicht, weil es Spaß macht, denn es strengt ganz schön an. Es ist also nicht lustig. Im Gesicht des Kindes ist ein tiefer Ernst zu lesen, dass es dies tun muss, gleichsam einem inneren Befehl gehorchend.

So wie sie im Mutterleib schon ihrem inneren Baumeister gehorcht haben und sich all die notwendigen Fähigkeiten beigebracht haben, die sie benötigt haben, um mit der Geburt erfolgreich ins Leben zu gelangen.

Was mag in Kindern vorgehen, die diesen inneren Befehlen nicht mehr gehorchen, weil sie ihr Vertrauen in sich selbst und somit in ihren eigensten Lebensweg verloren haben?

Sie sind geprägt von Unsicherheit und Angst. Sie tun sich schwer, äußere Erfahrungen mit inneren Empfindungen zu koppeln und zu bewerten.

Solche Kinder versuchen, den Wünschen der Umgebung zu entsprechen. Sie wünschen sich äußere Befehle und äußere Bewertungen, welche ihnen helfen, Sicherheit zu finden. Ständig sind sie begleitet von der Frage, ob sie richtig sind und meinen eigentlich zu fragen, ob sie geliebt werden können, so wie sie sind.

Erste selbstintendierte Bewegungen sind in der 8. Schwangerschaftswoche nachgewiesen. Kinder, die ihr Vertrauen in ihren „inneren Baumeister“ verloren haben, verlassen ihren ursprünglichen, selbstintendierten Weg der Entwicklung und sind angewiesen auf permanente Anleitung.

Dann erscheinen erste eigene Worte zögerlich und der Weg ins symbolische Denken ist begleitet von Verlustangst, zeigte Dr. Ludwig Janus schon vor vielen Jahren auf. Eigene Gedanken werden von solchen Kindern auch im späteren Leben vermieden und auch als Erwachsene sind sie angewiesen auf äußere Befehle, auf eine Führerschaft, die für sie bewertet und entscheidet.

Sollten wir als Erwachsene, auch und vor allem unter Bedachtnahme, dass sich kommendes Jahr ein historisch bedeutsames Ereignis zum 80. Mal jährt, nicht auch bei uns überprüfen, ob wir diese, unsere inneren Befehle noch wahrhaben. Ob wir in tiefer Verbundenheit zu uns selbst handeln und denken und auch unsere Kinder begleiten?

Wie kommt nun ein dreijähriges Kind dazu, sich selbst das Schreiben und Lesen beizubringen?

Dr. Montessori spricht von einer „vorbereiteten Umgebung“, in der alles vorhanden ist, was das Kind braucht, und nichts vorhanden ist, was das Kind nicht braucht. Dies meint nicht nur Spielzeug, sondern vor allem Geistiges: Gedanken, Emotionen, Wünsche, Ängste,…

Neben dieser vorbereiteten Umgebung, der passenden Atmosphäre, wenn man möchte, braucht es bedeutsame Menschen, denen Lesen und Schreiben wesentlich ist.

Was geht im Kind vor, wenn es seine Mutter beobachten kann, die ein Buch liest?

Das Kind lernt nichts über den Inhalt des Buches, aber es lernt:
– wie man dem Alltag entsteigt und sich vertieft in den Gedanken anderer Menschen
– wie man also Anteil nimmt am Leben anderer mittels geschriebener Sprache
– wie es ist, von einem Buch, einem Gedanken eines anderen Menschen gefesselt zu sein
– wie man planen muss, sich Kapitel für Kapitel zu erschließen und sich dies über Tage und Wochen erstrecken kann
– sich auf eine Sache zu konzentrieren und von ihr ergriffen zu sein,
und in Summe die Bedeutung einer kulturellen Fähigkeit für uns Menschen.

Das kleine Kind fasst so immer mehr Vertrauen in seinen inneren Drang zur Entwicklung und gemäß den cerebral vorgegebenen Sensibilitäten bringt sich das Kind selbstständig alle Kulturtechniken bei und ein unendlich großer Erfahrungsschatz, ein tiefgehendes Weltwissen und eine unendliche Anzahl an eigenständigen Gedanken entstehen.

Wenn junge Menschen sich selbstständig und frei entwickeln sollen (dies meint ja schon der Begriff Entwicklung, ein „Auskleiden“), braucht es vor allem die passende Atmosphäre. Auch braucht es ernste Erwachsene, die bedingungslos zur natürlichen Entwicklung der Kinder stehen. Die Mut besitzen, Grenzen und Störungen aufzuzeigen und ihre eigenen Emotionen nicht mit den Gewändern des Verstandes so einkleiden, dass deren Wirkung verlorengeht.

Wo der Mut und das Vertrauen unserer Kinder fehlt, sind wir Erwachsenen aufgerufen, uns zu entwickeln. Wo Kinder sich mit drei Jahren selbstständig das Schreiben und Lesen beibringen, sind wir aufgerufen, das Leben immer weiter zu bejahen und lieben zu lernen.


junge Dichtung

Die letzte Skizze des literarische Quartetts der Oberstufe der Dorfschule, diesmal Biologisches.

Skizze vier von vier:

Ohren-Qualle
Schwebend-direkt vor der taucherbrille-elegant-schier tänzerisch-aurelia aurita • pulsierend schon seit millionen jahren in den welten des ozeans • ohrenqualle • sich in der strömung fortbewegen ohne muskeln und nervensystem – doch seit äonen gleich geblieben- schier perfekt aber nicht von der natur konzipiert oder erdacht – einfach entstanden • zu begreifen versuche ich – die hand ausgestreckt – das wunder • nesselzellen auf meiner haut – mordwaffen mit der 5-fachen wucht der erdbeschleunigung von potenten meeresräubern – bei eukaryoten das glutamat und der anreiz des essens auf der zunge – jedoch bei medusen nur ein noch so eine kleine chemische und mechanische botschaft- registriert durch geißelzellen • erste ohren erste augen erstes gehirn • tausende nesselzellen gleichzeitig • alles ohne verstand und interpretation • ich versuche zu begreifen – das selbe konglomerat aus reizweiterleitung – die prinzipien: dieselben – der tod – derselbe • gallertige haufen im gesamtgefüge der natur wobei biologische prinzipien gleichbleiben • evolutionär unterschiedliche wege wurden begangen
S.W.